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Wie sich eine Stadt auf Weihnachten einstimmt

Prenzlauer Zeitung vom 20.12.2025

Von Ines Baumgartl

Trotz Krankheitswelle berührte der Uckermärkische Konzertchor in der Prenzlauer Nikolaikirche mit Klangpracht und Vielfalt die Vorweihnachtszeit. Das Publikum stimmte ein.

Weihnachtskonzert 2025. Bei den traditionellen Weihnachtskonzerten des Uckermärkischen Konzertchores mit dem Preußischen Kammerorchester sowie Holz- und Blechbläsern ist die Prenzlauer Nikolaikirche stets bis auf den letzten Sitzplatz gefüllt. (Foto: Ines Baumgartl)

Weihnachtskonzert 2025. Bei den traditionellen Weihnachtskonzerten des Uckermärkischen Konzertchores mit dem Preußischen Kammerorchester sowie Holz- und Blechbläsern ist die Prenzlauer Nikolaikirche stets bis auf den letzten Sitzplatz gefüllt. (Foto: Ines Baumgartl)

PRENZLAU – Beinahe hätten die drei traditionellen Weihnachtskonzerte des Uckermärkischen Konzertchores in der Prenzlauer Nikolaikirche in diesem Jahr gar nicht stattfinden können. Doch trotz des hohen Krankenstandes begeisterten die Chormitglieder in bewährter Begleitung des Preußischen Kammerorchesters und eines Holz- und Blechbläserensembles ihr Publikum.

„Dass von fast 80 Personen nur knapp über 60 gesungen haben, hat man künstlerisch nicht gemerkt“, sagte Leiter Jürgen Bischof erleichtert. „Mich hat gerührt, wie ausgezeichnet sich der Chor gehalten hat. Die Chorsätze müssen in einem bestimmten Klang sein, und den hat er super erreicht.“

Nach 33 Jahren gehören die Konzerte traditionell zur Vorweihnacht. Auch bei Hannelore und Ulrich Witzsch ist die Erwartung in jedem Jahr groß. „Wir haben in den Anfangszeiten selbst mitgesungen, jetzt ist unsere Tochter dabei. Wir freuen uns auf die Vielfältigkeit des Programms und die Klangpracht.“ Jürgen Bischof ersann für diese Weihnachtskonzerte einen abwechslungsreichen Ablauf. Getragen dargebotene schwedische, norwegische und deutsche Lieder erklangen genauso wie lockere Stücke, die zeigten, dass in Spanien, Griechenland oder Tansania auch ganz andere Stimmungen das Fest musikalisch begleiten.

Die hervorragend gestaltete Dramaturgie spannte den Bogen zurück zum feierlichen Händelschen „Halleluja“ und zur Weihnachtskantate „Vom Himmel hoch“ von Felix Mendelssohn Bartholdy. „Dabei muss man aber auch andere Dinge berücksichtigen, zum Beispiel, dass ein Trompeter wegen der Lippenspannung auch an bestimmter Stelle eine Pause benötigt“, beschrieb Jürgen Bischof, der zugleich das Dirigat innehatte, seine Herangehensweise.

Wie geschickt die Darbietungen in Solo, Duett und Trio aus den Reihen des Chores eingebunden waren, unterstrich die Wirkung. Als mit der ersten, von Axel Krumrey gesungenen Strophe der Weise „Ihr Kindelein kommet“ auch die Kinder-Vokalgruppe nach vorn zum Podium schritt, um einzustimmen, war ein besonderer Moment erreicht, der noch von der hellen Knabenstimme David Gergelys verstärkt wurde.

Auch die 10-jährige Matilda Staegemann hatte in der voll besetzten Kirche mit der Titelmelodie aus „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ einen Part im Wechsel mit dem Chor zu bewältigen. „Vorher bin ich aufgeregt, aber wenn es dann losgeht, ist das wie in einem Tunnel“, schilderte sie, warum es ihr leicht falle, vor so vielen Menschen aufzutreten. Ihr Lieblingslied sei „Sind die Lichter angezündet“, das singe sie zu Hause gern mit dem Papa gemeinsam.

Auch dieses Lied erklang beim Weihnachtskonzert in der Nikolaikirche. Allerdings war hier, wie bei noch einigen anderen, das Publikum zum Mitsingen aufgefordert. Leider konnte es in diesem Jahr nicht so zahlreich sein wie bei den vorhergehenden Konzerten. Da die Stadt nun Eigentümer der Nikolaikirche geworden ist, gelten Brandschutzregeln, die den Verkauf von weniger Karten bedingten. „Bereits Anfang November waren die Konzerte ausverkauft, einigen auf der Warteliste konnten wir wegen Krankheitsausfällen aber noch helfen“, nannte Jürgen Bischof diese Umstände „einen kleinen Wermutstropfen“.

Dass in der Nikolaikirche geklatscht und getrampelt wurde, gehörte allerdings nicht dazu. Im Text des Liedes aus Tansania heißt es sinngemäß: „Begrüßen wir den kleinen Jesus mit dreimal Händeklatschen, weil das nicht reicht, trampeln wir mit den Füßen.“ Die Zuhörer erhoben sich und taten es am Ende des Konzertes dem Chor vielfach nach. Das Ehepaar Witzsch brachte die Begeisterung auf den Punkt: „Jetzt sind wir eingestimmt, jetzt erst kann Weihnachten kommen.“

Beitrag und mehr Fotos in der Prenzlauer Zeitung