Prenzlauer Zeitung vom 08.10.2026
Von Heiko Schulze
Als Jürgen Bischof seinen 70. Geburtstag feiert, möchte er mit seinen zahlreichen Gratulanten zugleich todkranken Kindern einen letzten Wunsch erfüllen.

70. Geburtstag von Jürgen Bischof im Oktober 2026: Christiane und Jürgen Bischof begrüßen unter den zahlreichen Gästen Landrätin Karina Dörk und Horst Herrmann (links), Vorsitzender des Aufsichtsrates der Uckermärkischen Kulturagentur. Im Hintergrund Elke Dieckhoff (UM Kulturagentur). (Foto: Heiko Schulze)
Wie konnte es anders sein, als dass der Jubilar das herrliche Spätsommerwetter an seinem 70. Geburtstag als „erzbischöflich“ statt (nur) als „kaiserlich“ würdigt. Das Wirken von Jürgen Bischof, der bereits mit sieben Jahren das Klavierspiel erlernte, sich vom Dresdner Kapellknaben, Absolventen der Weimarer Musikhochschule und mit 24 Jahren zum jüngsten Musikschulleiter in der ehemaligen DDR entwickelte, ist seitdem untrennbar mit der Uckermark verbunden. Als langjähriger Musikschuldirektor, engagierter Chorleiter, geschäftsführender Direktor der Uckermärkischen Kulturagentur gGmbH – und vor allem auch als Ehepartner, Vater und Opa, der im Fußballtor steht oder mit den Jüngsten die höchsten Türme aus Legosteinen baut.
Dabei wollte er, als er 1978 in Prenzlau aus dem Zug stieg und „das Grauen“ sah, am liebsten wieder in die Kulturstädte seiner Kinder- und Jugendzeit zurückkehren. Der in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges arg zerstörten Hauptstadt der Uckermark gab er maximal die Chance für die drei auferlegten Pflichtjahre …
Doch das Leben weiß zu überraschen und mit seiner Christiane fand Jürgen Bischof die große Liebe in dieser Stadt, deren aufgeschlossene und zugleich bodenständige Menschen ihn immer mehr zu begeistern verstanden und von den Potenzialen der Uckermark überzeugten. Die seine Leidenschaft fürs Musizieren und Singen teilten – und bis heute teilen. Natürlich auch bei der Geburtstagsfeier rund ums Anglerheim, als die Preußen-Musiker unter ihrem Dirigenten Jürgen Bruns unter freiem Himmel aufspielten und gemeinsam mit den Sängerinnen und Sängern bis in den späten Abend Lieder und Musikstücke anstimmten.

Unter freiem Himmel spielten die Musiker des Preußischen Kammerorchesters unter Leitung ihres Chefdirigenten Jürgen Bruns zu Ehren des Jubilars auf. (Foto: Heiko Schulze)
Seine Ehefrau Christiane hatte mit ihren Kindern Cosima, Jonathan und Tamina sowie deren Partnern alles liebevoll ausgestaltet, vorbereitet und organisiert. Die über hundert Gäste erfuhren in einer emotionalen Rede von Tochter Cosima mehr über die persönlichen Seiten von Jürgen Bischof als Vater, Opa und geerdeten Lebensbegleiter.
Er selbst hatte erst im vergangenen Jahr den Verlust einer sehr nahestehenden Angehörigen erfahren müssen. Sie selbst hatte als Krankenschwester über Jahrzehnte Kinder auf ihrem letzten Weg begleitet und starb an den Folgen der Leukämie. So war es der Herzenswunsch des Jubilars an seine Gäste, anstelle von Blumen und Geschenken für ihn mit Spenden den Verein „Uckermark gegen Leukämie“ zu unterstützen. In der Hoffnung, damit todkranken Kindern einen letzten Wunsch erfüllen zu können.
Diesem Anliegen entsprachen die Gäste, zu denen Landrätin Karina Dörk, Prenzlaus Bürgermeister Marek Wöller-Beetz ebenso wie der ehemalige Intendant der Uckermärkischen Bühnen und heutige Landtagsabgeordnete Reinhard Simon zählten, gerne.
Am späten Abend gab es dann noch ein Mitsingprogramm von Klemens Gutsche aus Bautzen, der von 1966 bis 1973 mit Jürgen Bischof bei den Dresdner Kapellknaben war. Ihre Freundschaft besteht bis heute. Auch Bernd Firl, mit dem Bischof an der Weimarer Musikhochschule in der Abteilung Musiktheater studierte, zählte zu den Gästen der geselligen Feier am Unteruckersee. Dieser sang viele Jahre mit seiner Frau an der Komischen Oper Berlin.
„Was mir auf den unglaublich vielen Karten geschrieben wurde, zeigt mir, dass ich bei Menschen in den Jahrzehnten der Zusammenarbeit Spuren hinterlassen habe. Es waren keine 0-8-15 Glückwünsche“, freute sich der 70-Jährige im Nachklang. Dass sein Jubiläum mit dem Weltmusiktag zusammenfiel, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.
