Prenzlauer Zeitung vom 21.05.2026
Von Judith Engel
Wann hatte es wohl zuletzt 1000 Menschen in die Marienkirche gezogen? Einer der Höhepunkte bei den Hill- Festtagen war das Konzert mit dem schönen Namen „Last Night of The Proms“ und zeigte diese Anziehungskraft.

Hill-Festival, „Last Night of the proms“ am 14.05.2026 in Prenzlau: Stehende Ovationen in der voll besetzten Marienkirche (Foto: Judith Engel)
PRENZLAU – 1000 Menschen zeitgleich in der Prenzlauer Marienkirche, dazu ungewöhnlich viele Chorsänger und Musiker auf dem Chorpodest und der neuen Empore: Das Konzert „Last Night of The Proms“ im Rahmen der Hill-Festtage hat alle Erwartungen übertroffen. Allein 147 Sänger zählte der speziell für diesen Anlass zusammengestellte Chor aus drei Ensembles.
Auch Pfarrerin Sophie Ludwig hielt es sicher nicht für alltäglich, solche Menschenmassen in ihrer Kirche begrüßen zu dürfen. Dennoch fand sie am Beginn des Konzertabends in ihrer bewährt ruhigen und gleichzeitig begeisternden Art Worte des Dankes. Diese richtete sie unter anderem an den anwesenden Thorsten Weßels, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Uckermark, die als Hauptsponsor maßgeblich zum Gelingen beigetragen hatte.
Besonderer Dank ging an die Uckermärkische Kulturagentur und ihren Geschäftsführenden Direktor Jürgen Bischof, der gleichzeitig auch der Dirigent des Abends war. Nicht zu vergessen seien aber auch all die unermüdlichen Helfer aus den Büros der Kirchengemeinde und der Kulturagentur, die nicht im Rampenlicht stünden, sagte die Pastorin. Bettina Schön, Elke Dieckhoff und Techniker Andreas Simon von der Kulturagentur sowie Silke Wizorek und Hausmeister Lars Neidel von der evangelischen Kirchengemeinde hätten Übermenschliches geleistet bei der Vorbereitung des Konzertes.
Thorsten Weßels war es ebenfalls ein Bedürfnis, anlässlich des außergewöhnlichen Ereignisses einige Worte an die Anwesenden zu richten. Er gehe davon aus, dass Prenzlau durch diesen neuen Publikumsmagneten eine große Ausstrahlung und Anziehungskraft über die Landesgrenzen hinaus hinzubekommen habe. Die Hill- Orgel sei als Kulturdenkmal eine unschätzbare Bereicherung. Man könne mit Fug und Recht stolz sein. Auch er dankte allen Beteiligten, Verantwortlichen und Mitwirkenden für ihren Einsatz und wies im Zuge des gleichzeitigen Auftaktes des Uckermärkischen Orgelfrühlings auch auf die Stiftung Uckermärkische Orgellandschaft und die Möglichkeit, dafür zu spenden, hin.
Das musikalische Programm ließ beim Publikum Augen und Münder offen stehen. Zuerst erklang der Choral „Nun danket alle Gott“ von Johann Crüger (1598 bis 1662) in der Bearbeitung von John Rutter für gemischten Chor, Blechbläserensemble, Pauken, Schlagzeug und Orgel. Die Fülle der Klänge ließ den hohen Kirchenraum zum ersten Mal erbeben. Danach kamen die beiden Orgeln der Marienkirche, die sogenannte Helge-Schneider- Orgel , die Kantor Hannes Ludwig vor Jahren auf eigene Kosten für die Kirche erstanden hatte, und die wunderbare Hill-Orgel zusammen mit dem Chor zum Einsatz. Die „Messe solennelle“ von Louis Vierne (1870 bis 1937) hatten aufgeführt. Hieran ließ sich für die Hill-Festtage sehr gut anknüpfen.
In Wochen und Monaten hatten sich der Uckermärkische Konzertchor, die Kantorei Prenzlau und der Akademische Chor der Westpommerschen Technischen Universität Szczecin auf diesen Abend vorbereitet, an Tönen und Sprache gefeilt, sich „zusammengesungen“, um nun den großen sinfonischen Klang zu erzeugen, den es für das Werk benötigte. Mit Konzentration und mutigem Einsatz brachten Jürgen Bischof und Hannes Ludwig schon einmal im Jahre 2010 in Zusammenarbeit aufgeführt. Hieran ließ sich für die Hill-Festtage sehr gut anknüpfen. In Wochen und Monaten hatten sich der Uckermärkische Konzertchor, die Kantorei Prenzlau und der Akademische Chor der Westpommerschen Technischen Universität Szczecin auf diesen Abend vorbereitet, an Tönen und Sprache gefeilt, sich „zusammengesungen“, um nun den großen sinfonischen Klang zu erzeugen, den es für das Werk benötigte.
Mit Konzentration und mutigem Einsatz brachten die Chöre es unter der Leitung von Jürgen Bischof zu einem schönen, meist homogenen und sauberen Klang mit deutlichen dynamischen Abstufungen. Einen weiteren Höhepunkt boten nun das Preußische Kammerorchester in sinfonischer Besetzung mit Holz- und Blechbläsern, Schlagwerk und sogar Harfe und der britische Stargast Henry Fairs an der Orgel. Das Orchester hatte auf der architektonisch wunderbar in den Raum eingepassten neuen Empore unter der Orgel Platz genommen.
Franz Liszts (1811 bis 1886) Fantasie und Fuge für Orgel „Ad nos, ad salutarem undam“ in der Bearbeitung für Orgel und Orchester von Marcel Dupré (1886 bis 1971) ließ in seinen sieben Sätzen alle Farben und dynamischen Möglichkeiten erstrahlen. Einzig der Klang der Streicher verlor sich hier und da hinter der Brüstung, da die Bläser auf den hohen Stufen und mit ihrem an Bruckner erinnernden Klang sehr präsent waren. Hervorzuheben wäre auch der stilistisch exquisite Klang der Soloflötistin.
Zum Abschluss ließen noch einmal alle Gewerke Edward Elgars Pomp and Circumstance March No. 1 DDur „Land of hope and glory“ erschallen. Die Begeisterung riss im Anschluss das Publikum von den Sitzen. Langanhaltender Beifall war Lohn für all die Mühe.
Nicht zuletzt sei noch einmal die Eberswalder Orgelbauwerkstatt hervorgehoben. Unter der Leitung von Andreas Mähnert und Harry Sander wurde die Hill-Orgel innerhalb von zweieinhalb Wochen in Schottland abgebaut, dann vier Tage lang sorgfältig verpackt, nach Prenzlau überführt, in zwei Tagen abgeladen und nach einer längeren Unterbrechung während eines Jahres grundrestauriert und neu aufgebaut.
Die Anspannung und Rührung war dem gesamten Team, das bei allen Konzerten vor Ort war, deutlich anzumerken.
Mehr Fotos und Videos vom Konzert finden Sie hier und hier bei der Prenzlauer Zeitung.
